Zeitungsverteiler – ein lohnender Job?

Jul 11 2009

Man sieht sie fast jeden Tag – Zeitungsverteiler.
Ist ja auch logisch, die Stellenanzeigen im Web und Printmedien versprechen ja auch viel.
Doch ist das auch wirklich so?

tip

Diese Firma (TIP Werbeverlag) verspricht einen regelmäßigen Nebenverdienst für nur zwei Stunden Verteilen pro Woche.
Auf diese Annonce hin bewarb ich mich beim oben genannten Verlag. Nach knapp einem halben Jahr als zweiter Mann wurde eine Stelle für mich frei. Ich bekam zwei Gebiete zugewiesen (ungefähr das halbe Dorf) mit insgesamt 364 Zeitungen (110 und 254 Zeitungen). Pro Blatt bekomme ich zwischen 5 und 8 Cent. Das macht pro Woche ungefähr 20 Euro. Das klingt doch schon mal gut. Doch in diesen zwei Stunden wird man das Verteilen kaum schaffen. Ich jedenfalls bräuchte dafür knapp 3 ½ Stunden. Aber auch das reicht nicht. Nach einer Weile mussten Beilagen „kurzzeitig“ mitverteilt werden, in meinem Fall von Markant Nordwest. Während diese extra verteilt werden müssen (also nicht in der TIP der Woche). Zusätzlich darf ab und an noch ein Sonderpostenblatt von Kaufland eingelegt werden. Und an dieser Stelle frage ich mich: Ist es günstiger, die Verteiler die Zeitungen falten zu lassen als Maschinen? Pro Beilage bekomme ich knappe 0,5 Cent! Für die dreifache Anzahl an Zeitungen gibt es somit monatlich sagenhafte 10 Euro mehr. Aber aus der kurzzeitigen Beilage wurde eine Langzeitaufgabe für die Verteiler. Seit nun einem halben Jahr verteile ich die Markantzeitungen mit. Ab welchem Zeitpunkt darf man eigentlich von Ausnutzung der Verteiler sprechen?
Anstatt aber den Lohn für die Verteiler zu erhöhen, sucht man Kontrolleure, die sicherstellen, dass die Zeitungen auch verteilt werden. (Meine Überlegung: Würden die Zeitungen fair bezahlt werden, wäre sowas gar nicht notwendig.) Ich vermute, dass es sogar Kontrolleure für die Kontrolleure gibt.

Mit dieser Auffassung der Unterbezahlung stehe ich nicht alleine da: Die Zahl der wirklich zufriedenen Verteiler sinkt überall. Eine andere Person bekommt für knapp über 500 zusätzliche Lidl-Beilagen 1 Euro pro Woche mehr. Auch andere Werbeblätter, die nicht im Zusammenhang mit der Schwarzgruppe stehen (dazu gehören u.a. Kaufland und Lidl), sollen mitverteilt werden. [1] Nach einem Einverständnis wird gar nicht erst gefragt.
Auch von einem Bekannten, der die Kauflandprospekte verteilte, hörte ich wenig Gutes. Er bekam 2,5 Cent pro Zeitung bei insgesamt 250 Zeitungen → 6,25 Euro pro Woche.
Für diesen wirklich läppischen Betrag darf man am Vortag Zeitungen falten, Beilagen einlegen und am nächsten Tag dann bei Wind und Wetter raus und die Zeitungen verteilen. Wichtig ist es hierbei, dass man sie sonntags nicht verteilen darf, da Verteilverbot herrscht.

Dies sind meine und die Erfahrungen anderer Personen mit dem TIP Werbeverlag, aber es gibt natürlich auch noch andere Zeitungen, die öfters Leute suchen, die sich für diesen Job hergeben. So gibt es hier zum Beispiel auch noch den Wecker. Bei der Mittwochszeitung habe ich für 90 Zeitungen (~ eine Stunde) knappe 5 Euro bekommen, also 20-25 Euro pro Monat, was bei dem geringen Zeitaufwand akzeptabel ist.

Warum Zeitungsverteiler (bei kostenlosen Zeitungen) einfach zu Dumpingpreisen bezahlt werden, ist für mich recht einfach erklärt: Das Mindestalter liegt recht niedrig (12-13 Jahre), wodurch diese Jobs oft von Kindern gemacht werden. Diese haben oft noch keine Einschätzung für eine richtige Bezahlung (haben keine Vergleiche) und sehen es einfach als Taschengeldaufstockung an. Dass die Firmen Milliardenumsätze machen, wissen die wenigsten.

Es gibt neben dem Zeitungverteilen noch viele andere Jobs, die besser bezahlt werden. So lohnt sich eigentlich auch fast immer eine Anfrage bei Discountern und Geschäften. Oft kann man dort durch einen Ferienjob sein Guthaben besser aufstocken. Nimmt man doch den Zeitungsjob, sollte man sich vorher gut erkundigen, wieso der Vorgänger aufgehört hat, wie andere Leute den Job ansehen, etc.

Vielleicht meldet sich ja der ein oder andere mal in den Kommentaren und verkündet seine Meinung.

Quelle: [1] schuelervz.net

Dennis
11. Juli 2009

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