KH-Praktika, Arbeitsalltag
Ich muss zugeben – der Blog ist bei mir etwas in Vergessenheit geraten.
Die Praktika habe ich mittlerweile überstanden und bin in meiner Einsatzstelle gut aufgenommen worden.
Zu den Praktika:
Ich muss zugeben, dass ich mit gemischten Gefühlen aus dem Krankenhauspraktikum herausgegangen bin. War ich die ersten drei Tage auf der Intensivstation, wo ich größtenteils nur Zuschauen konnte, ging es für mich nach der “Zwangsversetzung” in die Zentrale Patientenaufnahme. Wieso nenne ich es Zwangsversetzung? Nun, eines gleich vorweg: Ich habe keine lebensgefährenden Fehler gemacht. Mir wurde lediglich gesagt, dass ich in der ZAP besser aufgehoben sei, da es im Erstpraktikum besser sei, den Patientenkontakt zu intensivieren.
Das war im Grunde auch in Ordnung. Dennoch fühlte ich mich dort eher wie eine Hilfskraft… zwar durfte ich eigenständig EKGs kleben, RR messen und Schreibkram erledigen – dennoch habe ich das Gefühl, dort eher wenig gelernt zu haben, weshalb ich dem Rettungswachenpraktikum doch entgegenfieberte. Mein Fazit war auf jeden Fall: die Praktika für den RS mache ich in einem anderen Krankenhaus meiner Wahl.
Im RW-Praktikum fühlte ich mich schon wohler. Routinemaßnahmen wie RR-Messung und EKGs zu kleben beherrschte ich ja dank ZAP-Praktikums ganz gut – doch sollte alles schon etwas akkurater sein. So werden bei uns im RD die Brustwandableitungen V1-V6 exakt geklebt, während man mir im KH erzählte, dass man die Elektroden “da” und “da” und “da” hinklebe. (Gut, dass ich den Lehrgang vorher hatte und es irgendwie besser wusste/wollte…)
Wie wahrscheinlich jeder andere auch, wünscht man sich interessante Einsätze und viel Action. Das ist nicht immer so und doch schon eher die Ausnahme. Viel ist einfach “load & go” – sei es die abgedeckte Platzwunde, der bereits versorgte Arbeitsunfall oder auch nur die gestürzte Oma.
Dennoch: diese spannenden Einsätze, die einen fesseln und noch eine Weile verfolgen, gibt es.
An meinem letzten Praktikumstag ging der Melder kurz vor Dienstende. “Pädiatrischer Notfall – Stromunfall”. Einsatzort ist ein Gebiet, welches regulär zu einer anderen Wache gehört, wodurch die Anfahrt dementsprechend lange dauert. Vor uns eingetroffen ist das gleichzeitig losgefahrene NEF (Notarzteinsatzfahrzeug). Durch dessen Besatzung wurde ein Patient vorgefunden, der alles andere als kindlich war. Da vermutlich die Mutter angerufen hat, handelte es sich bei diesem Kind um einen erwachsenen Mann, der bei dem Unwetter vom Blitz getroffen wurde. Da ein Kammerflimmern (Reanimationspflicht) erkennbar war, wurde sofort mit der Reanimation begonnen.
Etwa 20 Minuten später wurde der Patient mit Eigenrythmus in den RTW verbracht, wo er zwischendurch immer wieder in einen bradykarden Rythmus fiel. Trotz der langen hypoxischen Zeit arbeitete das Herz noch gut, jedoch sehr schnell (mögliche Folge des Adrenalins). Somit war die Reanimation primär erfolgreich. Das Outcome des Patienten war zu dem Zeitpunkt jedoch ungewiss. Vor allem das Gehirn wird unter der langen sauerstofffreien Zeit gelitten haben.
Der Transport erfolgte unter Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechten in unser Heimatkrankenhaus, wo der Patient auf der Intensivstation weiterbehandelt wurde.
Nach so einem Einsatz ist man doch schon relativ geschlaucht. Vor allem die unklare Situation vor Ort, die erschwerten Bedingungen (Reanimation draußen –> Regen, Schlamm) und die Ungewissheit sind doch schon ziemliche Stressfaktoren. Jedoch habe ich für mich persönlich mitgenommen, dass es unabdingbar ist, den Rettungswagen in-& auswendig zu kennen. Dadurch wären einige Abläufe noch flüssiger vonstatten gegangen.
Wichtig ist vor allem, solche belastenden Einsätze ausgiebig (mit den Kollegen und Vertrauten) zu besprechen.
Mittlerweile arbeite ich nun einen Monat auf meiner Wache. Viele Abläufe sind mittlerweile ins Blut übergegangen – der Rest kommt mit der Zeit und der Routine.
Ich bin jedenfalls gut zufrieden.